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Bund Naturschutz - Ortsgruppe Bobingen

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Biotope und Pflegeflächen: Streuobstwiese

Rettet die Streuobstbestände!


Rettet die Streuobstbestände!

Streuobstbestand – das unbekannte Wesen

Anpflanzungen hochstämmiger Obstbäume auf Äckern oder Wiesen in Reihen, Gruppen oder als lockerer Bestand nennt man Streuobstbestände. Sie werden ohne chemische Pflanzenschutzmittel und ohne chemisch-synthetischen Dünger bewirtschaftet.

Das Gegenteil davon sind intensiv gespritzte und gedüngte, meist eingezäunte Obstplantagen mit niedrigen, buschartigen "Bäumchen".

Streuobstbestände – wertvolles Kulturerbe

Streuobstbestände sind ein Ergebnis einer naturschonenden Landbewirtschaftung. Viele Äcker und Wiesen waren früher mit großkronigen Obstbäumen bepflanzt, Obstbaumalleen säumten die Landstraßen, breite Obstbaumgürtel umgaben die Ortschaften.

Streuobstbestände – Lieferanten naturköstlicher Gaumenfreuden

Streuobstbestände wurden angelegt, um vor allem für den Eigenbedarf Obst, Most, Saft, Wein, Marmelade, Kompott, Obstbrände und Dörrobst zu erzeugen. Streuobstbestände sind auch eine wichtige Bienenweide. Keltereien bevorzugen Streuobst wegen seiner Qualitäten. Produkte aus Streuobst haben einen besonders guten Geschmack und sind nicht mit Spritzmittel belastet.

Streuobstbestände – Zierde der Landschaft

Streuobstbestände gliedern die Landschaft und tragen zu einem vielfältigen Landschaftsbild bei. Vom Streuobstanbau geprägte Landschaften haben vor allem zur Blüte- und Erntezeit einem hohen Erholungswert.

Streuobstbestände – Umweltschützer vor Ort

Streuobstbestände mildern Nachtfröste, dienen als Wind- und Regenschutz, spenden Schatten. Sie verhindern Bodenerosion und dienen als natürliches Reservoir für biologische Schädlingsbekämpfung.

Streuobstbestände – Tier- und Pflanzenparadiese aus Menschenhand

Streuobstbestände beherbergen viele Tier- und Pflanzenarten, die anderswo keine entsprechenden Lebensbedingungen mehr vorfinden. Sie sind letzte Rückzugsgebiete für bedrohte Arten, wie Siebenschläfer, Wiedehopf, Ortolan, Wendehals, Pflaumenglucke und Bechsteinfledermaus.

Als Brut- und Nahrungsraum sichern sie das Überleben vieler Singvögel-, Fledermaus-, Schmetterlings- und Käferarten.

Streuobstbestände – viele Vorteile, aber dennoch gefährdet

Viele Streuobstbestände sind von 1970–1974 der groß angelegten EG-Rodungsaktion zum Opfer gefallen. Auch heute verschwinden – meist unmerklich – viele Hochstammobstbäume aus der Landschaft.

Hauptursachen dafür sind
  • Nutzung von Streuobstflächen als Bauland
  • Ausbau und Verbreiterung von Wegen und Straßen
  • Maßnahmen der Flurbereinigung
  • Umbruch der Obstwiesen bzw. Intensivierung der Ackernutzung
  • Zusammenbruch der Bestände wegen mangelnder Pflege der Bäume
  • zunehmende Konkurrenz durch Produkte aus dem Ausland oder aus Plantagenanbau, die teilweise früher auf dem Markt sind oder äußerlich ansprechender wirken.

Wenn dies so weitergeht, werden bald die letzten Streuobstbestände aus der Landschaft verschwinden. Das muss nicht sein – denn jeder kann mithelfen!

Deshalb:

  • Überdenken Sie Ihre Einkaufsgewohnheiten bei Obst- und Obstprodukten. Kaufen Sie nicht nur, was billig oder äußerlich ansprechend ist.
  • Bevorzugen Sie Obst und Obstprodukte (z.B. Saft) aus Streuobstanbau. Kaufen Sie, falls möglich, Ihr Obst direkt bei einem Landwirt mit Streuobstbeständen.
  • Pflanzen Sie in Ihren Garten statt der oft üblichen Nadelgehölze altbewährte Hochstammsorten.
  • Verschenken sie doch einmal zum Geburttag, zur Hochzeit oder zur Hauseinweihung einen Hochstamm-Obstbaum. Diese schöne und nützliche Geschenk wird viele Jahre lang Freude bereiten.
  • Übernehmen Sie die Patenschaft für einen oder mehrere Bäume, die nicht mehr ausreichend gepflegt werden können.

Sie erleben Natur hautnah, leisten einen aktiven Beitrag zum Naturschutz und können selbst gesundes und schmackhaftes Obst ernten.

 

Text von: Bund Naturschutz in Bayern e.V., Bauernfeindstraße 23, 90471 Nürnberg

© BN Ortsgruppe Bobingen •  info@bn-bobingen.de •  zuletzt aktualisiert am 16.05.2012